Herbsttagung 2016: „Lauschen – Hören – Erleben“ Kraftvolle Orientierung für Mensch und Organisation

Herbsttagung 21. ‐13. Okt. 2016
„LAUSCHEN – HÖREN – ERLEBEN“

Wie in den letzten Jahren: Wer dabei war, wurde auf vielen Ebenen reich beschenkt – wer nicht
dabei war, hat sicher etwas versäumt.
Die Tagung startete ‐ anders als bisher ‐ mit einer Mitgliederversammlung am Freitagabend, um den
Samstagabend für Dialog und Austausch frei zu halten. Neben der Bearbeitung der Formalia standen,
ausgehend von der Vorarbeit des Entwicklungsteams, ein neuer Namensvorschlag sowie ein neues
Entwicklungskonzept im Mittelpunkt. Mehr dazu im Protokoll der Mitgliederversammlung.
Am Samstag eröffnete Claudine Villemont‐Kienzle den Tag mit dem Vortrag „Das Potential unserer
transpersonalen Dimension“, der in Anlehnung an das Modell „spiral dynamics“ von Don Beck, die
evolutionäre Entwicklung von Gruppen und Gesellschaften aufzeigte. Der ab ca. 8 Monaten
beginnende Individuationsprozess führt durch die Entwicklung der Egopotenziale Spüren/Körper,
Fühlen/Emotion und Denken/Verstand zum jeweiligen Handeln. Sinn der Individuation ist die
Entwicklung des SELBST; es geht um wachsen, werden und wirken aus der ESSENZ – ein Prozess, der
nie abgeschlossen ist. Jede der acht Entwicklungsstufen des Spiral‐Dynamics‐Modells zeigt, auf
welche Werte und Überzeugungen die Menschen bauen, um ihr Überleben sicher zu stellen.
Heute stehen wir bei dem Sprung von einer pluralistisch‐humanistischen zu einer integralfunktionalen
Gesellschaft. Das bekannte Denken von „win –win“ (ich ‐ du) wird um ein weiteres
„win“ ergänzt (alle Lebewesen, das Leben‐an‐sich; z.B. Open‐Source‐Produkte). Dazu bedarf es
evolutionärer Kompetenzen wie Selbstreflexion, Resilienz, Vertrauen, Leichtigkeit, persönliche
Verantwortung im Globalen, holistisches Handeln u.a. Durch den Schritt ins transpersonale
„Zeugenbewusstsein“ lernen wir, als Beobachter auf Bewertungen und Urteile zu verzichten und uns
auf kollektives Wissen und Handeln zu fokussieren. Für den Umgang mit der transpersonalen
Dimension (es geschieht, manifestiert sich …) braucht es ein stabiles, fest im Leben verankertes Ich,
das dem transpersonalen Geschehen dient.
Anna Heidrun Schmitt führte uns im zweiten Vortrag zu der Frage: „Gleichberechtigt arbeiten auf
der Basis von Wertschätzung – machen wir alles schon?“ Wir bewegen uns von den Hierarchien zum
partizipativen Management, auch mit Regeln und Grenzen, aber im Bewusstsein von Verbundenheit.
Die Basis dafür ist Selbst‐Wertschätzung, die Fähigkeit sich selbst differenziert wahrzunehmen, um
dann auch anderen mit Wertschätzung zu begegnen, die auch konstruktive Kritik umfassen kann.
Auf dem Weg zur Partizipation in Projekten sind kreative und interaktive Methoden besonders
hilfreich, während klassisch hierarchisches Vorgehen eher im Wege steht. Wesentlich ist es, dabei
immer wieder Zeit zum Nachspüren und zur Selbstreflektion zu geben, damit auch Unsichtbares, wie
z‐B. Machtspiele oder Verstrickungen wahrnehmbar werden kann. Das braucht Zeit!
Eine hilfreiche Übung, um die Interdependenz einer Gruppe zu spüren, war: Wir standen im Kreis und
waren mit allen durch eine Schnur verbunden, die wir mit den Händen hielten. Sobald jemand sich
nach innen oder außen bewegte, entstand Spannung und die Notwenigkeit auch bei anderen
mitzugehen, sich zu verändern. Erkenntnis: Niemand kann in einem System sich verändern, ohne
dass das Auswirkungen auf andere hat.
Unser Prozess der partizipativen Projektentwicklung startet mit der Vision und Intention jedes
Einzelnen in der Gruppe. Zum Motto „Die Welt, in der du leben willst“ konnte jeder Teilnehmer
zeichnerisch oder durch dichterisch‐kreative Worte seine Vision darstellen und mit den anderen
teilen. Mit den Bildern von allen Teilnehmenden vor Augen, konnten wir dann die weiteren
Prozessschritte beginnen:
‐ Was muss dafür sein?
‐ Wie kommen wir dahin? Wie müssen wir/ wie muss das Projekt dann sein?
‐ Wie sieht der Zeit‐ und Aktionsplan aus?
Rabbi Baruch I. Rabinowitz eröffnete in seinem Vortrag „Gott erleben ‐ sogar in der deutschen
Bank“ eine tiefe spirituelle Ebene. Er begann mit der zentralen Frage: „Wie spricht Gott zu mir?“ Mit
Bezug auf die hebräischen Originaltexte deutete er bekannte Bibelstellen neu und mit Bezug auf die
heutige Welt. Das bekannte Zitat aus dem Alten Testament „Der Herr sprach zu Abraham: Zieh weg
aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und geh in das Land, das ich dir zeigen werde“
bedeutet im Kern: „Geh zu dir selbst.“ Damit werden wir aufgefordert, uns von den gewohnten
Wegen und kulturellen Vorgaben zu lösen, um den eigenen Weg zu finden, den uns die Stimme
Gottes in unserem Herzen zeigt. Aus „Gott sei mit dir“ wird „Gott sei in dir“.
Dazu müssen wir in „die Wüste“ gehen, denn dort spricht Gott zu uns ( „Wüste“ bedeutet im
Hebräischen aber auch „Sprechen“). Gott ist das Leben selbst, die Schöpfung, damit sind wir nie von
ihm getrennt. Das Gebet besteht im Hebräischen aus „zuhören“, „sprechen“ und „begegnen“, d.h. es
macht etwas mit mir. Gott antwortet immer, wenn wir bereit sind, wirklich zuzuhören und aufhören,
uns als getrennt zu erleben.
Der Vortrag mit großer Tiefe wurde am Abend durch ein schönes Sabbat‐Ritual abgerundet.
Der Sonntagvormittag begann mit einem ausführlichen Bericht des Entwicklungsteams zu den
Ergebnissen der Treffen im letzten Jahr. Das Team stellte den Hintergrund der neuen Namensgebung
vor und die verschiedenen Arbeitsfelder für die Neuausrichtung des Vereins (siehe dazu das
Fotoprotokoll der Tagung).
Um diesen Entwicklungsprozess in der gemeinsamen Runde aufzugreifen und weiterzuführen, leitete
Claudine Villemont‐Kienzle ein zweistündiges Gruppengespräch mit der Methode „VISTAR“. Ziel des
Prozesses war es, die gemeinsame Identität und Vision des Vereins aus dem kollektiven Wissen zu
schöpfen und im Dialog miteinander zu teilen. In einem moderierten und nach klaren Regeln
ablaufenden Prozess, fokussierten wir uns auf die zentralen Fragen „Wie leben wir Fülle im Verein?“
und „Wie kann unser Verein Fülle in die Welt ausstrahlen?“. Der Dialog erreichte eine sehr
beeindruckende Tiefe und Klarheit. Was wir so miteinander zu Tage förderten, schuf ein Kraftfeld, in
dem die Ausrichtung und Mission des Vereins für die Teilhabenden intensiv spürbar und erlebbar
war.
Dankbar und bewegt schlossen wir um 12:30 die Tagung erfolgreich ab.
Nach einer kurzen Mittagspause fanden sich die Mitglieder noch zu einer Nachbesprechung
zusammen, um aus dem gemeinsam Erlebten das weitere Procedere im Entwicklungsprozess zu
beschließen.
Friedrich Assländer, Markus Hänsel, Inge Mess

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